GESELLSCHAFT FREIE VOGTLÄNDER DEUTSCHLANDS

Einheimische und reisende Bauhandwerker

Reiseberichte
Birthälm

Vom Handwerkssaal zum Schulsaal

 

Viele Gesellen besuchten auf Tippelei schon verschiedene Berufsschulen, um dort die traditionelle Wanderschaft bekannt zu machen. Ich habe noch einen drauf gesetzt und nahm das Angebot unseres einheimischen FVD Kameraden Fabian Fahr an, welcher als technischer Oberlehrer an der Theodor- Frey Schule in Eberbach die Zimmerer unterrichtet.

Zum Technischen Hilfslehrer ernannt, traf ich die Schulklasse, zehn Schüler und eine Schülerin, sowie meinen ehemaligen Berufsschullehrer im rumänischen BirthälmDie Schüler haben hier die Chance, an der Kirchenburg, die dem Unesco Weltkulturerbe angehört, einen historischen Wehrgang zu rekonstruieren.

 

 

Nach einem Stadtrundgang in Schäßburg haben wir uns nachmittags mit dem Architekten. 

Jan Hülsemann, welcher für die Umsetzung des Sanierungsprozesses zuständig ist, zusammengesetzt, um die Arbeiten zu besprechen und die Gruppe einzuteilen. Zuerst mussten die Hängeböcke gefertigt werden, auf welche später die Wehrgangswand montiert wird. Dabei war es ganz hilfreich, dass parallel zu unserer Arbeit auch der in Rumänien lebende einheimische freie Vogtländer Christian Rummel die Holzkonstruktion des Glockenturms sanierte.

 

 

So kam es ihm gelegen, dass er für seine acht Meter lange 30/30 Eichenschwelle ein paar helfende Hände zur Verfügung hatte.Natürlich war diese Arbeit für die Schüler auch sehr lehrreich, da sie sonst ihre Holzverbindungen in der Schule aus Fichtenholz nur mit dem Querschnitten 7/9 machen.

Bei gemeinsamen Essen und gemütlichen Abenden lernte ich die Schüler besser kennen.Ich erzählte ihnen viel von Tippelei und gemeinsam mit dem einheimischen Kamerad Fahr brachten wir den Schülern noch das „Schallern und Klatschen“ bei.

Nach der ersten Woche haben wir dann die Hängeböcke, sowie die Treppenholme fertig gestellt. Am zweiten Wochenende haben wir eine Exkursion nach Hermanstadt gemacht. Dort besuchten wir auch das Museum für nationale Geschichte. Sonntags besuchten wir in Frauendorf einen zweisprachigen Gottesdienst auf Deutsch und Rumänisch mit anschließendem Kronenfest zu Ehren von Peter und Paul. Wenn ich bisher beim Tanzen zugeschaut habe, hingen die Mädchen an der Stange, diesmal war es andersherum, ich stand an der Stange und die Mädchen tanzten um mich herum.

Die zweite Woche stand ganz im Zeichen des Wandabbunds, Kopf- und Fußbänder wurden überplattet und Hackenblätter hergestellt. Die meisten Verbindungen wurden mit Hand hergestellt, jedoch erleichterte uns die Leihgabe der Firma Mafell enorm unsere Arbeit. Mit der Abbundkette ZSX 400 und der Handkreissäge MSK 185 konnten die großen Eichenholzquerschnitte wie Butter bearbeitet werden, ein Traum. Unser Abbundplatz kam mir vor wie die Schauwerkstatt in Hermanstadt, da die Kirchenburg zu den schönsten Burgen Siebenbürgens zählt und somit sehr viele Touristen anzieht.

 

 

Für meine bevorstehende Meisterschule glaube ich, dass mir die zwei Wochen Arbeit mit den Schülern auch einiges für den Teil 4 gebracht hat. Ich habe festgestellt, dass ich den Auszubildenden im praktischen Bereich viel mitgeben konnte.

Vielleicht konnte ich den ein oder anderen auch für die Tippelei begeistern. Daher bin ich nun besonders gespannt darauf, ob einer von den vielen fixen Lehrlingen den Sprung vom Schulsaal in den Handwerkssaal schafft und wir ihn mit „Grüßt Dich Kamerad“ begrüßen dürfen.

 

F.V.D. Bernd Bohr