GESELLSCHAFT FREIE VOGTLÄNDER DEUTSCHLANDS

Einheimische und reisende Bauhandwerker

Reiseberichte
Statikkurs 2019

Bachelor in einer Woche!
 

Statikkurs 2019
08.10. 
– 12.10.2019 von FVD Philipp Maier

 

Schon länger spielte ich mit dem Gedanken das Gelernte aus meinem Studium an die Reisenden weiterzugeben. Als Zimmermann habe ich mich während meines Bauingenieurstudiums an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden immer besonders für die Holzbaubemessung interessiert.

Zum Ende des Sommersemesters 2019 konnte ich nun so viel Zeit freischaufeln, und ich fasste den Entschluss den Kurs anzubieten. Durch die Hilfe der Hochschule fand ich auch einen geeigneten Raum, in dem wir alles, was wir für den Kurs brauchten, vorfanden. Außerdem wollte ich mit den Gesellen verschiedene Labore an der Hochschule zu besuchen, um auch etwas Abwechslung bieten zu können. Die Infrastruktur mit Räumlichkeiten, Laboren und Mensa, sowie der Gesellenpenne in Mainz hätte kaum besser sein können.

Mein Praxissemester bei Pirmin Jung, ein Schweizer Ingenieurbüro für Holzbau mit einem deutschen Standort in Sinzig am Rhein, welches ich von März bis August 2019 absolvierte, war natürlich bei der Vorbereitung hilfreich, da viele Themen dadurch zu meinem täglichen Brot gehörten und ich somit auch aus dem Alltag der Ingenieure berichten konnte.

Insgesamt meldeten sich zwölf Personen an. Ganz besonders hervorheben möchte ich die Anmeldungen von Domnica und Christian, die extra für den Statikkurs aus Rumänien angereist sind. Wow! Als ich das mitbekommen habe, war ich erstmal baff. Der Kurs hatte somit eine wunderbare Größe und wir konnten in einer angenehmen, lustigen und fruchtbaren Atmosphäre arbeiten.

 

Während der Vorbereitung zum Statikkurs wurde mir schon bewusst: Das wird ́ne harte Nummer! Soviel Themen, soviel Neues, soviel Sitzen, soviel Rechnen. Ich war gespannt, wie die Gesellen damit umgehen werden. Zwar gab ich mir Mühe alles so einfach wie möglich zu halten, aber eben auch nicht einfacher. Eine Woche ist natürlich viel zu kurz, um in das Thema richtig einzusteigen. Daher wurde der Kurs ja auch bewusst unter dem Namen Schnupperkurs Holzbaustatik“ auf der CCEG-Homepage angekündigt.

 

 

 

 

Dienstag: Wir trafen uns also alle gemeinsam am Dienstagmorgen auf dem Campus der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. Nach einem kurzen Kennenlernen und nachdem einige organisatorische Dinge besprochen wurden, stiegen wir auch direkt in die Thematik ein. Wir lernten verschieden Kennwerte und Festigkeiten von Materialien kennen, sowie einige Randbedingungen, die für die Bemessung nach Eurocode 5 wichtig sind, wie z.B. Nutzungsklassen und Lasteinwirkungsdauer. Außerdem stellte ich das

Bemessungskonzept (Eurocode 0) vor, so dass wir automatisch mit Teilsicherheits- und Modifikationsbeiwerten in Berührung kamen.

 

Mittwoch: Der Mittwoch stand unter dem Stern der Technischen Mechanik. Wir behandelten statische Systeme, wobei wir uns auf Einfeldträger mit und ohne Kragarm, Zweifeldträger und Kragarme beschränkten. Wir erarbeiteten uns Schnittgrößen und lernten mit Tabellenbüchern und Formeln zur Schnittgrößenermittlung umzugehen Nachmittags besuchten wir das Treppenbau- und Akustiklabor, welches zur Hochschule gehört. Wie erhofft, wurde dies sehr gut von den Gesellen aufgenommen, es war eine willkommene Abwechslung und bat einen guten Einblick ins Hochschulleben und in die aktuelle Forschung. Nach dem Laborbesuch behandelten wir noch Schnee- und Windlasten in vereinfachter Form.

 

Donnerstag: Jetzt wurde es etwas konkreter. Wir nahmen die einzelnen Nachweise durch. Von Biegung über Schub, Druck- und Zugnachweise bis hin zur Durchbiegung. Alle Nachweise schafften wir aus Zeitgründen leider nicht, aber ich denke, die Gesellen bekamen einen ganz guten Eindruck, wie die Bemessung im Holzbau grundsätzlich abläuft. Schließlich konnten wir Holzquerschnitt für verschiedene Belastungen ermitteln.

Als ich nach 8 Stunden so langsam den Feierabend einläuten wollte, drängten mich die Gesellen, doch noch den Durchbiegungsnachweis vorzustellen. Ich war erstaunt, dass die Teilnehmer so lange konzentriert bleiben konnten und freute mich über so viel Interesse und Durchhaltevermögen. Respekt Gesellen!

 

Freitag: Am vorletzten Tag behandelten wir Verbindungen im Holzbau. Allem voran Nagelverbindungen und Versätze. Auch hier bemühte ich mich die Nachweise so einfach wie möglich zu halten und verschiedene Werte nicht ausrechnen zu müssen, sondern auf Tabellen und Formelsammlungen zurückgreifen zu können.

Nach dem Mittagessen besuchten wir das Holzbaulabor. Wir bekamen eine interessante Führung durch die Heiligen Hallen der Hochschule und besichtigten mehrere Versuchsstände. Abends trafen wir uns in einem Hessischen Lokal um nochmal gemeinsam essen zu können und um den ein oder anderen Schoppe zu petze. Fix bedankt an dieser Stelle an die Spinnerbude Mainz, die das ganze mit zwei Fässern unterstütze!

 

Samstag: Zum Abschluss rechneten wir gemeinsam ein Pfettendach. Nach einer für mich aufschlussreichen und nützlichen Feedbackrunde beendeten wir den Kurs am Nachmittag. Einige Gesellen reisten dann ab, die meisten aber trafen sich gegen Abend bei Kam. Ogie in Gau-Algesheim, wo wir auf dem Weinfest den Wissenszuwachs der Woche ganz nach Theorie II. Ordnung verarbeiten konnten.

 

 

 

 

Alles in Allem hätte ich nicht erwartet, dass der Kurs so gut läuft, auch wenn ich rückblickend einige Dinge anders angehen würde. Bis auf einzelne, kurze Durchhänger waren alle konzentriert und es war mir eine Freude den Gesellen beim Aufsaugen des Lernstoffes zuzusehen.

Fix bedankt! Es hat Spaß gemacht mit Euch zu arbeiten!
Es gibt Überlegungen den Kurs im Jahre 2020 wieder anzubieten.

 

 

Fix bedankt an:

  •   Hochschule RheinMain und das Sekretariat des Fachbereichs Architektur und Bauwesen

  •   Prof. Kanz und Dipl.-Ing. Miscioscia für die Führung im Treppenbau- und Akustiklabor

  •   Prof. Bathon, Dipl.-Ing. Oliver Bletz-Mühldorfer, M.Eng. Dipl.-Ing. Jens Schmidt, M.Eng. Friedemann Diehl, M.Eng. Daniel Mehlich und Dipl.-Ing. Michael Weil für die Unterstützung und Führung im Holzbaulabor

  •   Dr. Holger Schopbach und Kam. Till Ahrendt für die Formelsammlungen

  •   Kam. Heinz Fuchs und Spinnerbude Mainz für die Unterbringung der Teilnehmer

  •   Freie Vogtländer Deutschland e.V. für die finanzielle Unterstützung

    PS: q steht nicht für Quelle!!!