GESELLSCHAFT FREIE VOGTLÄNDER DEUTSCHLANDS

Einheimische und reisende Bauhandwerker

Reiseberichte
Kuba

Nachdem wir mit insgesamt neun reisenden und fünf einheimischen Freien Vogtländern die Radrennbahn auf Trinidad und Tobago fertiggestellt hatten, beschlossen F.V.D Heerich, F.V.D Richter, e.F.V.D Möller und ich Kuba zu bereisen. Wir wollten es nochmal so sehen, bevor das kommunistische System unter der Leitung der Castros komplett verschwunden ist.

 

Wie wir schon in den ersten drei Tagen in der Hauptstadt Havanna bemerken mussten, waren wir bei weitem nicht die Einzigen mit dieser Idee. Wir besuchten die deutsche Botschaft und die meisten der gigantischen Monumente der Führer der Revolution mit der die Stadt seit den 60ern bespickt wurde. Die Straßen sind vollgestopft mit mehr oder weniger gut erhaltenen amerikanischen Straßenkreuzern der 40er, 50er Jahre, sowie Ladas, welche allesamt auf qualmende vierzylindrige Motoren umgerüstet wurden.

 

Auch die Tatsache das es in Kuba zwei Währungen gibt(CUC=Touristenwährung welche fast eins zu eins mit dem Euro getauscht wird und CUP=Einheimischenwährung welche nur 1/25 des Wertes hat) erschwerte es uns am Anfang ein Gefühl für die normalen Preise des Landes zu erlangen. Man kann zum Beispiel mit vier Leuten für 1€ frühstücken oder eben für 20€ und da Ganze auf einer Entfernung von 15m. Außerdem gibt es fast nie das was auf der Karte steht, sondern aufgrund der Mangelwirtschaft ist es besser zu fragen was es überhaupt gibt. Rum, Tabak, Kaffee und Kakao sind wohl die einzigen Konsumgüter die dem Land nie ausgehen.

 

 

 

Um dem Trubel der Stadt und den ewigen „Taxi, Taxi“ sowie sonstigen nervigen Verkaufsanfragen zu entfliehen, beschlossen wir uns zu viert einen der neuerdings auf Kuba erhältlichen chinesischen Mietwagen zu nehmen um nicht wie die anderen Urlauber von einem Tourifleck zum nächsten verfrachtet zu werden. 

Wir fuhren die Nordküste entlang durch Fischerdörfer und Städtchen wo es plötzlich keine Autos mehr gab und keinen Fisch zu kaufen gab dafür aber von Klappergäulen gezogene Kutschen und Schlaglöcher die so groß waren das man mit Leichtigkeit einen Fiat Polski hätte verstecken können. Bei der Suche nach einer Unterkunft ergab sich hier auch nur eine einzige Möglichkeit die so weit ab vom Schuss war, das der „Ort“ auf dem Wegschild einfach nach dem „Hotel Elguea“(einer charmanten 70er Jahre Hotelbunkeranlage) benannt wurde. Die wohl mal für 400-500 Gäste ausgelegte Anlage war mit uns Vieren sowie drei weiteren Gästen bei 15 Angestellten nicht wirklich ausgelastet. Auch auf unsere Aussage zu dem Hotelbarkeeper er müsse nicht nur für uns geöffnet lassen, sagte dieser das sei kein Problem denn die Bar sei mit oder ohne Gäste immer 24h geöffnet, weshalb wir an dieser zwei mojitolastige Abende für ein Euro pro Stück verbrachten.

 

 

 

 

Danach machten wir uns über die für ihre vielen bekannte Stadt Santa Clara auf den Weg in die drittälteste Stadt Kubas namens Trinidad(1514). Hier war vor allem der im Kolonialstil gehaltene Stadtkern sehr ansehnlich, auch wenn Trinidad oft den Anschein eines Museums erweckte da z.B. die immer gleichen drei alten Kubaner mit fetten Zigarren im Mund auf die Stadt verteilt saßen, welche aber nie brannten.

Aufgrund der gemütlichen Atmosphäre die auf der Treppenanlage im Herzen der Stadt herrschte und wir viele nette Bekanntschaften aus aller Länder machten, wurden aus geplanten zwei Übernachtungen fünf, bei einer sehr netten Familie die uns immer ein geniales Frühstück bereitet hat. Auch den umliegenden Stränden statteten wir immer wieder mal einen Besuch ab.

 

An den darauffolgenden zwei Tagen machten wir uns über Santiago de Cuba  der zweitgrößten Stadt Kubas nach Baracoa, der ältesten Siedlungsgründung die 1511 an der Stelle gegründet wurde an der Christopher Kolumbus Kuba das erste Mal betrat. Für Kamerad Möller war Santiago ein bisschen Heimaturlaub, da einfach unglaublich viele MZ Motorräder herumfuhren. Im Gegensatz zu den sonst im Kolonialstil gehaltenen anderen Städten Kubas ist Baracoa im klassizistischen Stil erbaut und für seinen Kakao mit oder ohne Rum bekannt.

Um die Mietkarre rechtzeitig wieder zurückgeben zu können und da wir noch das Städchen Viñales westlich von Havanna zu besuchen wollten machten wir uns über die Autobahn auf den 1000km langen Rückweg in Havannas Vorstadt San José. Die für sechs Spuren geplante Autobahn ist nur in der Nähe der Hauptstadt jemals fertig gestellt worden und sonst nur auf der einen bzw. anderen Seite mit max. 110 befahrbar da auch Hindernisse, wie Kühe und Pferde urplötzlich die Autobahn querten. Auch Pferdekutschen die nachts mit Petroleumlampen als Rücklicht über die Bahn zuckelten waren nicht immer sofort zu erkennen.

Nach einer kurze Nacht in San José  in der sich die Unterkunft als Stundenhotel entpuppte ging es weiter nach Viñales, was in der Tabakanbauregion des Landes liegt. Wir machten eine Wanderung durch die sehr schöne Felder-/Berglandschaft der Region und genossen wie während des ganzen Aufenthalts sehr bekömmliche rumhaltige Getränke bei kubanischer Musik an einem sehr verspäteten Karnevalswochenende. Danach ging es für uns alle in verschiedenen Abständen zurück nach Deutschland.

Auch wenn ich eine ganz andere Vorstellung von Kuba hatte, ist es meiner Meinung nach landschaftlich sehr schön. Bei der auf den ersten Blick sehr freundlichen zuvorkommenden Bevölkerung war es aber schwer zu erkennen ob Die-/Derjenige nur ein nettes Gespräch führen oder doch nur wieder irgendetwas verkaufen wollte. Auch wenn man Stunden auf Banken bzw. Wechselstuben verbringen musste und die „Vollbeschäftigung“ nur durch wartende Leute gewährleistet zu sein scheint, war es interessant die gut 3,5 Wochen auf einem Flecken zu verbringen an welchen es nicht überall zu jeder Zeit die im Westen übliche Masse an Produkten zur Verfügung steht.

F.V.D Andreas Peikert