GESELLSCHAFT FREIE VOGTLÄNDER DEUTSCHLANDS

Einheimische und reisende Bauhandwerker

Reiseberichte
Genf

Ein Nachruf in die Zukunft

Und was bleibt?

Ein durch und durch wohliges Gefühl, auf den Wogen einer emotionalen Bewegung Fortgang zu finden in eine gute Zukunft unserer grenz- und schachtübergreifenden Brüderlichkeit.

Manch einer der werten Leser mag diesen Eingangssatz als überschwängliches Pathos empfinden – dann war er wohl nicht zugegen in Genf, am ehrwürdigen Abschluss des Jahres der Spinne.

Gerade an Euch Gesellen, die keine Möglichkeit hatten mit uns an Bord zu sein möchte ich mein Resümee der CCEG-Versammlung richten. Eure Solidarität durch Sammlungen auf den Buden, durch Privatzuwendungen, durch aktive Mitarbeit in der Ferne und Eure wohlwollende Unterstützung im Geiste machte dieses Event so besonders.

Das Treffen begann offiziell am Freitagnachmittag auf unserer Bude. Ein jeder Ankömmling musste das Zureisespiel unserer Reisenden am großen „Glücks(Bier)rad“ durchlaufen. Sofort durchmischten sich die Gesellen in Gesprächsgruppen aller Couleur und Generationen. Schon am Donnerstag war unsere Penne unerwarteter Weise so überfüllt, dass das dortige Fassgesellenteam ab 22 Uhr gezwungen war, immer wieder Gruppen auf die Notpenne (Saskias und meine Atelierräume) zu schicken. Gegen 2 Uhr morgens hatten wir knapp 30 Reisende fast aller Schächte auf dem Boden zu verteilen.

 

Der weitere Freitagabend war ein Fest des Wiedersehens und Kennenlernens. Am Samstag morgen übernahmen wir das Regiment an Bord des „Bateau Genève“. Zum ersten Mal fanden sich die kompletten Delegationen eines jeden der 8 CCEG-Schächte um den Versammlungstisch ein.  Selbst die Union und die dänischen Naver stellten je 3 Delegierte entsprechend der Statuten.

 

Parallel zur thematisch vollgepackten Jahreshauptversammlung erkundeten ca. 40 Gesellen teilweise mit Ehefrauen die Stadt unter der Leitung unserer reizenden Genfer Fremdenführerinnen Aurelie und Sara. Die fleißigen Kunstteams aus Dresden, Zürich, Toulouse und Genf bauten ebenfalls am Vormittag die CCEG-Skulptur vis-à-vis von unserem Raddampfer an der Uferpromenade auf.

Zum Mittagessen waren ca. 200 Gesellen wieder an Bord vereint. In der etwa 2 stündigen Sitzungspause am Nachmittag wurde das Kunstwerk eingeweiht. Eine große Traube schwarzer Hüte, bunter Schärpen und Schaulustiger lauschte den Reden unseres Siegerkünstlers FVD David Oehme und des Genfer Bürgermeisters Remi Pagani. Anschließend bildeten alle Wandergesellen die Kette der Freundschaft um die Skulptur und sangen in den blauen Genfer Himmel das Lied der „Chaine d’Alliance“.

 

 

Das Knipsfest war eine Herausforderung an die Trimmung des bereits in den siebziger Jahren außer Dienst gestellten Dampfers. Vielleicht weilte ja auch der Geist der Kaiserin Sissi im alten Stahlrumpf, die ihre letzten Stunden nach dem Attentat von 1896 an Bord verbrachte denn: es kam zu keiner gefährlichen Krängung als sich das „CCEG-Gewicht“ auf den Freidecks an Steuerbord einfand.

 

 

Der Abend und die Nacht - ein Verschwimmen und ineinander Auflösen trennender Strukturen, Vorurteile, Sprachen, Kulturen – kurz: Ein fröhlicher Mopp schallerte, grölte und lachte bis 2 Uhr morgens über den See. Zu Beginn stand ein kleines Stell-Dich-ein der zwei noch trudelnden Schächte. Die Möpse am Boden gegen uns auf dem Tisch und umgekehrt.

Es folgten Klatschparaden quer über Bord, die Franzosen mit tollen „Gesellen-weiterreich- Schlangen“ etc. Jeder schallerte mit jedem – Sprachen werden allgemein überbewertet. Viel Interesse fanden drei zugereiste „Löwenbrüder“ die uns hoffen lassen, dass die alten Zünfte der Bäcker-, Müller- und Nahrungsberufe allgemein wieder verstärkt auch im deutschsprachigen Raum auf die Walz gehen. Mit großer Freude durfte ich auch eine Gesandtschaft der CCEG-externen Assoziation empfangen, die unserer Einladung gefolgt war.

Vielleicht entwickeln sich in der Zukunft neue Banden, die eine Reintegration der Assoziation in der CCEG ermöglichen. Irgendwann in der Nacht wurde es noch einmal offiziell, als der „Goldene Körner“ (der Oscar der Bude Genf) erstmals einem Nicht-Vogtländer für unermüdlichen Einsatz in der CCEG verliehen wurde und zwar an unseren Kamerad Peter Schwarzbich von den Rechtschaffenen.

Am Sonntag läuft kein Schiff aus dem Hafen!

Das betraf nicht nur unseren ausgedienten Partykahn sondern auch gefühlte 2 Drittel der Reisenden, die den Diskokeller auf Bude belagerten. Da blieb kein Auge trocken, auch keine Kehle und zudem auch manches Ohr nicht. Denn die Schergen unseres „Genfer FVD-Nagelstudios“ fanden Ihr letztes Opfer. Einen jungen Rechtschaffenen, der natürlich nach Einwilligung seines Exportgesellen, blutend an der Tischplatte festhing. Unweit davon saß seit Stunden, in beobachtendem Amüsement vertieft, der Sekretär der Fédération - höchst selbst. Er hatte bereits 3 TGV’s nach Paris verpasst und lies nun begeistert schaudernd den letzten Zug fahren.

Er fand Platte bei mir daheim und ich versprach ihm einen Kaffee vor dem ersten Zug am Montag Morgen. Als ich aufwachte war es Mittag und Kamerad Marc Bourdais schon lange in Paris. Etwas peinlich berührt dachte ich an den versprochenen Kaffee und das stets verriegelte Gartentor mit Stahlspitzen. Am Nachmittag kam die erleichternde Nachricht aus Paris mit großem Dank für unvergessene Momente.

Die Zentrale der Fédération (und jetzige Rotationsgesellschaft) meldete sich 4 Tage später offiziell in dem Sinne, dass es eine große Herausforderung sei, im Juni 2018 zum CCEG-Kongress in Toulouse dem Genfer Erbe zu folgen. Sie, die Fédération, wird alles daran setzen, dass mehr Frankophone und Deutschsprachige Gesellen gemeinsam reisen können.

 

Werte Gesellen, das möchte ich so im Raum stehen lassen. All Ihr Unterstützer habt Wohl getan.

Im Namen der FVD bedanke ich mich bei Madame Saskia Matthey de l’Endroit für die über Wochen ehrenamtliche Orgahilfe. Liebe Saskia, hab dank auch für die Dienste als Chefchauffeurin Deines Zunftmobils „Grüner Aujust“.

FVD Bernhard Merkel - CCEG-Sprecher der FVD