GESELLSCHAFT FREIE VOGTLÄNDER DEUTSCHLANDS

Einheimische und reisende Bauhandwerker

Reiseberichte
Genf - Lyon

Eine Bootsfahrt nach Lyon

 

Bereits im Mai machte uns Kam. Konrad Merkel auf einen, von ihm geplanten, Bootsbaukurs in Genf aufmerksam. Es galt ein ca. 4,20m langes und ca. 1,20m breites Skelletboot zu erstellen und dieses mit ballistischem Nylon zu bespannen.

Die Möglichkeit ein eigenes Boot zu bauen und natürlich auch die anschließende Feuerprobe, damit sieben Tage von Genf bis nach Lyon zu fahren, erweckte das Interesse von zwei Einheimischen und drei reisenden Freien Vogtländern, drei reisenden Fremde Freiheitsbrüder und einem einheimischen rechtschaffenen Zimmerergesellen.

 

Voller Vorfreude machten wir uns, nachdem man sich zuvor auf unserer Penne eingefunden hatte, am Montag früh auf in die Werkstatt der Fremden Freiheitsbrüder, die uns netterweise den nötigen Platz zu verfügen stellten. Dort trafen wir dann auf die anderen Gesellen und nach kurzer Begrüßung ging es auch gleich ans Werk.

Die Spanten und die Leisten wurden bereits von Kam. Merkel und Kam. Jäckel vorgefertigt, so dass wir diesen nur noch den letzten Feinschliff geben mussten. Dabei war es wichtig, dass es keinerlei scharfkantige Ecken mehr gibt, welche evtl. die Haut des Bootes beschädigen könnten. Während einige Gesellen mit dieser Arbeit beschäftigt waren, richteten die anderen den Arbeitsuntergrund aus geraden Kanthölzern, damit es möglich war eine gerade Kiellinie zu erstellen.

Durch das engagierte Anpacken aller Gesellen schafften wir es alle vier Skellette noch am Abend fertig zu stellen. Dazu gehörte auch das Ausbilden des Hecks und des Bugs. Ab diesem Zeitpunkt fanden sich immer Zweierteams um ein Boot weiter zu bauen und es folgte das Fixieren aller Leisten und auch des Fußbodens mit einer Wachsschnur. Natürlich wurden auch Sitzflächen erstellt und je nach Gemütlichkeit mit Rückenlehnen verfeinert. Das wichtigste jedoch waren die individuell und mit liebe angefertigten Getränkehalter.

 

 

Nachdem alle Holzarbeiten erledigt waren wurden die Ruderboote mit ballistischem Nylon bespannt und durch das Bügeln konnte man den Stoff noch einmal richtig Straff bekommen. Danach wurden noch die Außenleisten angebracht um den Stoff zu fixieren. Es folgte noch das Lackieren mit Bootslack und das Herstellen der Ruder mit der Halterung.

 

Sonntag 1.Tag Genf - Barrage Genissiat

Durch die angenehme Bauphase fieberten wir der Taufe der Ruderboote entgegen und so ging es mit geladenem LKW am Sonntag in Richtung Rhone zum Einwassern. Gegen Mittag war es dann soweit, nach gelungenem Knippsfest, saßen endlich alle in ihrem Boot. Bis Sonntagabend ruderten wir noch ca. 20 km durch praktisch unberührter Natur bis zum ersten großen Wehr, welches am nächsten Morgen eine recht große Herausforderung darstellte sollte. 

 

 

Montag 2.Tag Barrage Genissiat - Seyssel

Die Boote mussten knappe 3 km über Stock und Stein getragen werden. Dementsprechend waren alle froh, als 4 Stunden später alle vier Boote wieder im Wasser lagen und es bei sensationell schlechtem Wetter weiterging. Der Fluss war reißend schnell, und so mussten sich die Boote und die Mannschaft beweisen. Am Abend waren alle Gesellen recht fertig mit dem Tag und froh über die warme Mahlzeit und das Löschwasser dazu.

 

 

Dienstag 3.Tag  Seyssel - Yenne

Mittwoch 4.Tag  Yenne

Der nächste Morgen sah so auch ziemlich zuversichtlich schön aus und bei gutem Wetter ging es nach Yenne, ein Städtchen auf dem Jakobsweg. Wegen starker Regenfälle beschlossen wir einen Tag länger in Yenne zu verweilen. Wir holten uns einen Jakopswegstempel, hatten Besuch von der Lokalpresse und  auch die Möglichkeit einem traditionsreichem Leierkastenkonzert zu lauschen. 

 

 

Donnerstag 5.Tag Yenne- Groslee

Die darauffolgende Etappe hatte viel zu bieten. Wir fuhren auf einem Seitenarm der Rohne, genossen unberührte Natur und gab es immer wieder anspruchsvolle Stromschnellen. Die wir zwar durchaus befahren konnten, jedoch durch das Eintauchen des Bugs liefen unsere Boote halb voll mit Wasser.

Die Ankunft am Abend in Grosslee war vorerst ernüchternd, denn das Städtchen war ziemlich leer und es gab keine Kneipe. Während die einen sich früh zur Ruhe legten machten sich andere noch auf die Gegend zu erkunden. Sie lernten einen örtlichen Winzer kennen, der unsere Ankunft gebürtig mit Wein und Champagner feierte und uns zur Verpflegung noch ein paar gute Flaschen Wein mitgab. Dieser tröstete die anderen am nächsten Tag für den verpassten Abend.

 

Freitag 6.Tag Groslee - La Balme les grottes

Regen und Sonne wechselten sich wieder ab, vorbei ging es an einem Atomkraftwerk und wir machten halt bei einem Flohmarkt um nachzutanken. Kam Merkel griff tief in die Trickkiste und montierte einen elektrischen Außenborder. Die Strecke war ruhig und ohne Hindernisse. So bildeten wir einen Konvoi und ließen uns ziehen. Nur an der Stelle an der wir campen wollten hatte der Fluss so viel Fahrt, dass wir sie fast verpassten. Aber trotz gebrochenem Ruder schaffte es gerade noch jeder an Land.

 

Samstag 7. Tag La Balme les grottes- bis kurz vor Lyon

Die vorletzte Etappe ging schnell, wir hatten gute Strömung und freuten uns auf den nächsten Lagerplatz. Nach Tagen ohne jeden Komfort wollten wir uns eine Nacht auf einem Campingplatz gönnen. Dort trafen wir dann auf extra zugereiste Genfer einheimische. 

Und es wurde ein schöner und langer Abend.

 

Sonntag 8.Tag Zentrum Lyon

Nach knapp 200 km auf dem Fluss, der Sonne dem Wind und dem Regen permanent ausgesetzt, und immerwährend nassen Schuhen, kamen wir nun an. Wir tranken noch das Scheidebier und grillten noch ein letztes Mal zusammen, bevor jeder wieder in Kluft seiner Wege ging. 

 

Epilog:

Auf einem Fluss zu reisen erwies sich als völlig neue Erfahrung. Der Fluss trägt einen fort, die Landschaft zieht mal schnell mal kaum merklich an einem vorbei. Er trägt einem zu Herausforderungen, denen der Mensch sich unmittelbar stellen muss. Und das was gestern war, hat für das jetzt kaum noch Bedeutung.

Es war eine schöne Reise

Text und Fotos : F.V.D. Till Arend und F.V.D. Severin Peter