GESELLSCHAFT FREIE VOGTLÄNDER DEUTSCHLANDS

Einheimische und reisende Bauhandwerker

Reiseberichte
Chile

An einem Sonntag trafen sich die Gesellen der Chilereisecombo auf unserer ehrwürdigen Penne Mainz. In ihren Gesichtern standen die Strapazen der Feiertage, aber auch die Vorfreude auf das bevorstehende Reise geschrieben. Nach einer Weile des üblichen „Smalltalks“ und zünftigen Schnasselns ergab der allgemeine Konsens der Gruppe, dass die Motivation in Bezug auf Südamerika nach wie vor nicht zu Bändigen sei.

Vor ab ein paar Informationen zu Chile:

Das Land an der Westküste Südamerikas ist mit  750000 km² mehr als doppelt so groß wie Deutschland, wird aber nur von rund 17 mio. Menschen bewohnt. Mit einer Länge  von 4300 km und einer durchschnittlichen breite von nur 180 km bietet Chile eine unglaublich vielseitige Landschaft.

Da sich die meisten Menschen in der fruchtbaren Zentralzone drängen, sind große Teile des Landes wie z.B. die Fjordlandschaften Patagoniens nur dünn besiedelt. In der heutigen jungen aufstrebenden Gesellschaft Chiles sind die Spuren der zum größten Teil ausgestorbenen Indianerstämme, wie z.B. der Mapuche, kaum noch zu spüren.

Nun geht es endlich los. Durch zünftiges Reisen erreichen wir um Punkt 18:00 Uhr den Frankfurter Flughafen. Nach 16 std. Flug in der Hauptstadt Santiago de Chile angekommen, lassen sich die Gesellen die Müdigkeit der langen Reise natürlich nicht anmerken. Nach kurzer Suche nach einer Bleibe für die ersten Tage, wird so erst einmal die chilenische Kneipenkultur unter die Lupe genommen und schon nach kurzer Zeit für gut empfunden. Diese Feststellung sorgte in der Gruppen natürlich für große Erleichterung. 

Nach 2 Tagen Stadterkundung auf frei Vogtländerart und einigen nicht Erwähnens würdigen  Zwischenstopps verschlägt es uns in ein kleines verschlafenes Surfer Paradies namens Pichilemo. Hier lassen wir es uns bei Surfstunden, abendlichem Grillieren und dem Genuss des einheimischen Bieres erst einmal so richtig gut gehen. Ein Ort, um die von der harten Straße geschändeten Selen mal so richtig baumeln zu lassen.

Nach einer weiteren Reihe dicht aufeinander folgenden und ebenso nicht Erwähnens werten Zwischenstationen erreichen wir das vom Tourismus geprägtem Pucon. Dort angekommen kehrten wir natürlich erst einmal in ein kleines nettes Lokal ein. Als wir so auf Wandergesellenart den Dingen ihren Lauf ließen, lernten wir nur wenige Stunden später den Neuseeländer James kennen.

Dieser führt zusammen mit einem Holländer namens Peter das offiziell beste Hoster Chiles. Da die beiden in jungen Jahren viel gereist sind, war ihnen die Kluft und ihre Bedeutung durch aus geläufig.

Wie es nun der Zufall so wollte, träumten die beiden von einer Terrasse vor ihrem Hostel.

Also begannen am darauffolgenden Montag die Arbeiten. Nach kurzer Zeit wurden den beiden Bewusst, was passiert wenn man 4 hoch motivierten Deutschen Handwerken einen großen Haufen Holz und ein paar Baumarkt Maschinen zur Verfügung stellt.  In den folgenden 2 Wochen entstand dann also nicht nur eine einfache Terrasse, sondern auch die dazu passenden Tische und Stühle, eine im Baum integrierte Plattform zum chillen, Stehtische und eine Hängeschaukel.  Als Gegenleistung vertrieben wir unsere Freizeit mit „ funny Freizeitaktivitäten “,  welche uns als Bezahlung dienten.

 

 

Von dort aus trampten wir durch eine nicht enden wollende, atemberaubende Landschaft weiter gen Süden. Nach guten 500 km erreichten wir die kleine Insel Chiloe, welche sich vor der Küste Chiles befindet. Dort wurden wir Zeugen der nicht zu unterschätzenden Holzbaukunst der chilenischen Zimmerer in Form von Kirchen.

Nach dem wir die Insel mit dem Auto gründlichst erkundigt hatten, ging es mit der Fähre zurück aufs Festland. Von Chaiten aus folgten wieder einmal ein paar nicht enden wollende Tage im Bus durch Patagonien immer weiter Richtung Süden bis zum Lago General Carrera. Am größten See Chiles, welcher sich bis nach Argentinien streckt verbrachten wir noch eine fixe Woche mit tollen Wanderungen und natürlich zünftigem Schmoren.

Nach einer 24 stündigen Fährfahrt von PTO. Aisen nach PTO. Montt trieb es uns wieder Richtung Pucon. Hier nahmen wir etwa 7 km vor der argentinischen Grenze ein Arbeitsangebot einer Schweizerin wahr. Wir lernten Christiene bereits beim ersten Aufenthalt in Pucon zu Beginn unserer Reise kennen.  Schon allein die Wegbeschreibung der guten Dame war wohl maßgeblich daran schuld, dass wir erst jetzt auf sie zurückkamen.

Der Weg ins Ungewisse führte uns von Villarica aus durch ein kleines Kaff, dessen Name mir entfallen ist nach Liquine. Hier endete in unseren Augen nicht nur das öffentliche Verkehrsnetz und jegliche Zivilisation, sondern auch die Welt. Spät abends dort angekommen entschieden wir uns vor der letzten Etappe noch eine Nacht in diesem Kaff zu verbringe. Am nächsten Morgen brachen wir frisch gestärkt in Richtung Osten auf. Erst die 6 km bis zum offiziellen Ende von Liquine und dann laut Beschreibung noch einmal 9,3 km über eine unbefestigte Schotterstraße. Auf Grund mangelndem Verkehrs alles zu Fuß. Wer selber auf Tippelei  war, weiß dass das bei 35 Grad im Schatten in Kluft und mit Gepäck echt kein Zuckerschlecken ist.

Das einzige Auto, welches uns nach etwa 2 Stunden entgegen kam, war die chilenische Grenzpolizei. Diese wollte nicht so ganz verstehen, warum vier seltsam gekleidete Männer mit mangelnden Spanischkenntnissen zu Fuß in  Richtung  Grenze unterwegs waren. Nach einer längeren Diskussion mit Händen und Füßen entschieden sie dann wohl, dass von uns keine Gefahr ausgehe und ließen uns passieren.

Als wir die Hoffnung eigentlich schon fast aufgegeben haben, entpuppte sich unsere Wegbeschreibung tatsächlich als richtig. Zu unsere linken präsentierte sich das großzügige Anwesen, mit dem prachtvollen Haupthaus  als Mittelpunkt. Mit den zwei Pferden, den Hühnern und den spielenden Hunden vor dem Haus bot sich uns ein malerischer Anblick.

Nach einer sehr herzlichen Begrüßung und einem fantastischen Abendessen, bezogen wir unsere Zimmer.

Vor etwa zwei Jahren kaufte Christine zusammen mit ihrem spanischen Mann Miguel das über 1000 ha großen Grundstück. Seitdem arbeiten die beiden daran das ganze Touristentauglich auszubauen.

Über viele Jahre hinweg fällte Charlo, der Haus und Hof Arbeiter, unzählige Bäume. Da er diese auch auf sägte und Vorbildlich lagerte, stand dem bevorstehenden Projekt eigentlich nichts mehr im Weg.

Entstehen sollte ein in ein bestehendes Carport am Haupthaus integrierter Anbau.

Zwei Wochen und einigen Litern Schweiß später, war der Traum vom Massivholz Anbau erfüllt.

 

 

Durch mühsame Handarbeit entstand ein toller Wohnraum, welche später mal ihre Gäste beherbergen  soll.

Sie dankten uns mit reichen Mahlzeiten, einer vorzüglichen Penne und dem Rückfahrtticket nach Santiago de Chile. Die letzten Tage unserer Reise ließen wir also in der prachtvollen Hauptstadt Chiles langsam Ausklingen.

Am Ende dieser Reise lässt sich festhalten, dass Chile eigentlich allen Ansprüchen an eine Spannende Zeit im Ausland gerecht wird. Also Holz hin Gesellen.

 

 

Geschrieben von F.V.D. Kai Wichmann

Mitreisende F.V.D. Severin Peter, F.V.D. Konstantin Kania und F.V.D. Felix Herzig